Tennisclub Wilstedt

Tennisspaß an der Wörpe - nordöstlich von Bremen

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Der TCW - gestern und heute

Der filzige Ball trifft einige Zentimeter nur vor dem Körper des jungen athletischen Hugo Hinz aus Wilstedt auf die Saiten seines Holzschlägers. Er ändert daraufhin die Richtung, fegt wie der Blitz zurück übers Netz und schlägt knapp neben der Seitenlinie im roten Sand ein. Aus! Niemals hätte der junge Vater Günter Westermann diesen Ball bekommen. Dennoch lacht er. Punkt für ihn. Spiel, Satz und Sieg für den Viehhändler in einem der ersten Spiele auf Platz Nummer 1, dem Centrecourt des Tennisclub Wilstedt. Es ist das Jahr 1973.

Zwei Jahre zuvor begann eine verwegene Idee in den Köpfen einiger Wilstedter zu keimen, die dieses Match erst möglich gemacht hatte. Am 27. November 1971 AD hatten die beiden Kontrahenten sich mit sieben weiteren Wilstedtern zusammengetan und den ersten und bis heute einzigen Tennisclub der Samtgemeinde gegründet. Kuno Broßheit, Joachim Burghardt, Heinz Gebhardt, Horst Hildebrandt, Margit Hildebrandt, Friedrich Knoop und Hans-Hermann Lohse waren neben Hinz und Westermann die Gründungsmitglieder, die damals jeweils 1000 DM selbst aufbringen mussten, um den Kredit für den Bau der ersten beiden Tennisplätze bewilligt zu bekommen.

Viel Pioniergeist und zahlreiche helfende Hände des benachbarten FlaRak-Bataillons 31 in Westertimke waren nötig, um den noblen „weißen Sport“ auf dem Lande zu etablieren. Nach langen Tagen des Wartens, viel harter Arbeit und vergossenem Schweiß war es dann Ende April 1973 endlich so weit: die ersten Aufschläge auf den Plätzen des TC Wilstedt flogen über die Netzkanten.

Tennis auf dem Dorf war damals ungewöhnlich und selten. Etliche Spieler wurden gar aus anderen Gemeinden angelockt, weil es dort keine Angebote gab. So kamen bis in die späten ´70er fast die Hälfte der Mitglieder aus anderen Samtgemeinden.

Heute ist vieles anders. Die meisten Spieler sind aus der direkten Umgebung. Gespielt wird nicht mehr auf zwei, sondern auf sechs Plätzen. Denn wegen steigender Mitgliederzahlen erweiterte der Verein in den Jahren 1980 und 1993 um jeweils zwei Plätze. Aus den neun Avantgardisten von damals sind mittlerweile 157 tennisbegeisterte Mitglieder geworden, darunter 50 Kinder und Jugendliche. Zu Spitzenzeiten waren sogar über 200 Spieler in Wilstedt aktiv.

Zehn Erwachsenenteams und vier Jugendmannschaften kämpften in der vergangenen Saison in verschiedenen Ligen um die Meisterschaften. Einige messen sich sogar in hohen Spielklassen wie der Landes- und der Verbandsliga.

Aber der TCW ist weit mehr als nur ein leistungsorientierter Sportverein. Er ist ein sozialer Treffpunkt geworden, der Generationen während des Frühlings, Sommers und Herbstes auf seinem Gelände vereint. Auf dem Tennisplatz ist immer jemand. Es sei denn es regnet. Doch selbst dann stehen die Chancen gut, den einen oder die andere dort zu treffen, in der Hoffnung auf eine Stunde Tennis sobald die Wolkendecke aufreißt. Und wenn nicht, reicht es zumindest für einen kleinen Plausch im 1975 eingeweihten Vereinsgebäude.

Denn Geselligkeit steht hoch im Kurs. Das zeigt sich auch bei Events wie dem Kuddel-Muddel-Mix-Turnier oder dem Brunchtennis, bei denen es in erster Linie um den Spaß geht. Natürlich will jeder gewinnen, aber Sieger ist schon derjenige, der dabei eine gute Zeit mit den anderen Teilnehmern hatte.

Die jährlichen Clubmeisterschaften sind dagegen schon eine etwas ernstere Sache. Obwohl jahrelang die Sieger mit Karl-Heinz Kühn und Bärbel Kehlenbeck-Böschen schon vorher feststanden. Diese beiden verdienten Vereinsikonen dominierten den Sport in Wilstedt seit den Gründungsjahren. Auch bei Kreismeisterschaften konnten sie immer wieder gute Plätze erreichen und vertraten den TCW gegenüber anderen Vereinen hervorragend.

Beide engagierten sich jedoch nicht nur auf dem Platz, sondern trugen durch ihre Vereinsarbeit maßgeblich dazu bei, den Club zu dem zu machen, was er heute ist: eine feste Institution in der Samtgemeinde, die auch von den Organisatoren der regionalen Kreismeisterschaften immer wieder hoch geschätzt wird. Die Organisatoren fragen gern in Wilstedt an und wollen die Anlage für ihren Wettbewerb nutzen. Wegen der guten Qualität und der tollen Stimmung am Spielfeldrand.

Über die Jahre hinweg haben sich das Gelände und der gesamte Charakter des Vereins ständig verändert. Vom kleinen Provinzclub mit zwei Plätzen und etwas elitärem Touch, hin zu einem Verein für Breitensport mit sechs Plätzen, Clubhaus mit zwei Terrassen, Ballwand und einem extra Schuhhaus.

Von den Pionieren der ersten Tage sind 2010 nicht mehr alle dabei. Einige von ihnen sieht man aber an warmen Tagen auch heute noch auf den Plätzen des TCW dem Tennisball hinterher jagen. Nicht mehr ganz so jung und athletisch, aber mit genauso viel Freude am Spiel. Denn die ist heute noch genauso groß wie damals.

Quelle: Festschrift 1150 Jahre Wilstedt

Autor: Bastian Mojen

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